Auch der Ginkgo schützt sich vor Hitze
Die Bäume leiden an der Hitze und der Trockenheit. Manche wissen sich offenbar nur noch damit zu helfen, indem sie schwere Äste abstoßen – um leichter und resistenter zu werden. Der bekannte Ginkgo im Weinheimer Schlosspark, ein Naturdenkmal und ein prägender Baum für die ganze Bergstraße, dürfte jetzt so reagiert haben, als am Montag zwei große Äste abbrachen und zu Boden fielen.
Gärtner und Baumexperten kennen das Phänomen, das in diesem Jahr leider häufig auftritt – ohne Frage eine Folge des Klimawandels. Man nennt es Grünastbruch. Es beschreibt den Zustand, wenn ein scheinbar völlig gesunder, voll belaubter Ast plötzlich abbricht. Meist tritt dies an heißen Sommertagen oder nach längeren Trockenperioden auf. Es gibt typische Begleiterscheinungen, die den Grünastbruch für die Baumgärtner zusätzlich schwierig und unberechenbar machen, wie Raphael Schleweis, Baum-Experte in der Weinheimer Grünflächenabteilung, berichtet: Der Ast ist äußerlich gesund und grün belaubt und vor dem Bruch sind meist keine Schäden erkennbar. Selbst bei genauem Hinschauen kündigt sich der Astbruch nicht an.
Wie andere Städte mit Parks, Gärten und einem großen Baumbestand hat die Stadt daher am Dienstag eine Warnung ausgesprochen, sich derzeit nicht unter Bäumen mit weit ausladenden Ästen aufzuhalten. Häufig betroffen sind große, waagerecht wachsende Äste. Besonders häufig wird Grünastbruch bei Baumarten wie Pappeln, Weiden, Linden, Kastanien und manchmal auch Eichen beobachtet.
Der Bruch am historischen Ginkgo ereignete sich am Dienstag kurz nach 8 Uhr wie ein Blitz aus heiterem Himmel. „Einer meiner Schüler hat ein Knacken gehört und ist weggelaufen, dann kam auch gleich der Ast runter“, schildert ein Schulleiter einer Weinheimer Schule, die am letzten Schultag zu einem Ausflug im Schlosspark war.
Wichtig zu wissen: Der Ginkgo ist trotz seines hohen Alters von rund 180 Jahren gesund und nicht muss nicht komplett gefällt werden, beruhigt Schleweis. Das Phänomen des Grünastbruchs komme auch bei gesunden und jungen Bäumen vor.
„Das Wichtigste ist, dass niemand verletzt worden ist“, erklärte auch Oberbürgermeister Michael Möslang, der sich vor Ort ein Bild machte. Patrick Walter, Leiter des Amtes, zu dem auch die Grünflächen gehören, gab zu Bedenken, dass Klimawandel in Zukunft zu einem erhöhten Aufwand bei der Kontrolle und Pflege der Stadtbäume führen wird. Da müsse man sich auch an Bilder von stark eingekürzten Bäumen gewöhnen, erklärte er. Denn, so Walter: „Die Sicherheit geht vor.“
