Viel Spaß an der Demokratie

Als sich der Förderverein des Museums vornahm, einen bunten Nachmittag im Rahmen der „Tage der Demokratiegeschichte“ zu veranstalten, war keinem klar, wie lebendig und sonnig es werden würde. Schon am frühen Sonntagnachmittag wurden alle Biergarnituren auf den autofreien Amtshausplatz geschafft, und die Gäste genossen Kaffee und Kuchen in der warmen Sonne, während Torsten Fetzner mit Gitarre und Akkordeon politische Lieder aus dem 19. Jahrhundert spielte.

In der Hauptsache ging es nämlich um unterhaltsame Beiträge zum Thema Demokratiegeschichte in Weinheim. Drinnen im Haus wurde neben der Posterausstellung zum Thema ein alter Film gezeigt, in dem Interviews mit Hans Hohmann, Wolfgang Daffinger, Leonard Seib und anderen aus den frühen 1970er Jahren zu sehen waren. Am Nachmittag hatte Manfred Maser einen launigen Auftritt im Erkerzimmer, mit dem er an die Bedeutung der Kneipen als Orte der Politik erinnerte, in Weinheim – und im Odenwald. Das Kneipensterben, so Maser, sei regelrecht eine Gefahr für den Bestand der Demokratie. Alexander Boguslawski erzählte das dramatische Leben des berühmten Weinheimer Gastwirts Friedrich Härter, dem führenden Kopf der badischen Revolution in Weinheim um 1840.
Besonders gefreut haben sich die Veranstalter über die Auftritte von einigen Jugendlichen. Eine Delegation des Jugendgemeinderats stellte sich mit einer Powerpoint-Präsentation im Haus vor und diskutierte lange mit einer großen Schar Zuhörer. Draußen am Amtshausplatz trat eine Gruppe aus der Bonhoeffer-Schule auf. Sie inszenierte die provokante Festnahme eines Verdächtigen, den sie lauthals als unerwünschten Ausländer beschimpften und übers Pflaster schleppten. Das Ganze erinnerte an aktuelle Geschehnisse in Amerika, sollte aber auch auf den bei uns grassierenden Ausländerhass anspielen. Als Kontrast dazu sangen sie anschließend gemeinsam ein Lied zum Lob und zur Bewahrung der Demokratie. Der Beifall des Publikums hörte lange nicht auf.
Tosten Fetzner, begleitet vom Fördervereins-Mitglied Thomas Veigel, spielte noch das Hecker-Lied und das Bürgerlied von 1848 („Ob wir rote, gelbe Kragen…“) aus einer Zeit, als die Menschen in Deutschland für die Demokratie auf die Straße gingen. Viele am Amtshausplatz kannten die Texte und stimmten mit ein. Es war ein rundum gelungener Nachmittag.

 
Haben wir genug Frauen in der Politik?

Wenn es um die Rolle der Frauen in einer demokratischen Gesellschaft geht, denkt man zunächst zurück an den mühsamen Weg, bis Frauen überhaupt eine Rolle spielen durften. Danach fragt man sich, ob die Teilhabe von Frauen in der Demokratie heute so groß ist, wie sie sein sollte, und schließlich will man wissen, was Frauen selbst motiviert, politisch aktiv zu werden.
All diesen Fragen hat sich in einem Vortrag im Rahmen der „Tage der Demokratiegeschichte“ im Weinheimer Museum Elisabeth Kramer gewidmet. Als eine Frau, die selbst schon seit über vierzig Jahren in der Weinheimer Kommunalpolitik aktiv ist, brachte sie viel Wissen und eine Menge Erfahrung zu diesem Thema mit.
Frau Kramer begann mit der aktuellen Erinnerung an die kürzlich verstorbene Rita Süßmuth, die sie als Vorbild ganz vieler Frauen, die selbst in die Politik gehen wollten, bezeichnete. Weiter zurück ging ihr Blick auf Elisabeth Selbert. Sie war Ende der 1940er Jahre nicht nur eine von vier Frauen im Parlamentarischen Rat, der das Grundgesetz der Bundesrepublik vorbereitete und in Artikel 3 festschrieb, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Sie war diejenige, die gegen anfänglichen Widerstand den Zusatz durchsetzte: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin“. Noch heute, so Kramer, gäbe es vieles, worum sich der Staat in dieser Hinsicht kümmern müsste.
Noch weiter in der Vergangenheit hatten Frauen nicht einmal das Wahlrecht. Erst in der Weimarer Verfassung von 1919 wurde festgeschrieben, dass Frauen wählen durften. Ein Blick hinaus in die Welt zeigt, wie lange dieses Grundrecht uneingelöst blieb, und wie steinig und gefährlich der Weg für Frauen war, sich das Wahlrecht zu erkämpfen.
Auch wenn heute die rechtlichen Voraussetzungen dafür gegeben sind, muss man feststellen, dass Frauen gemessen an ihren Anteil an der Bevölkerung in politischen Gremien weiterhin deutlich unterrepräsentiert sind (von ihrem Anteil an Führungspositionen in der Wirtschaft ganz abgesehen). In Deutschland haben Frauen in den Parlamenten aller staatlichen Ebenen nicht mehr als rund ein Drittel aller Sitze. Auch im Weinheimer Gemeinderat sitzen nur 14 Frauen neben 28 Männern.
Dies führt am Ende zu der Frage, welche Gründe es dafür gibt: Wollen die Frauen keine Rolle in der Politik übernehmen oder sind es strukturelle Gründe, die sie daran hindern? Viele Frauen, die in der Politik mitarbeiten wollten, halten dies weiterhin für unvereinbar mit ihrer Aufgabe als Mütter und Hauptverantwortliche für den Haushalt. Zu selten noch bietet unsere Gesellschaft die Möglichkeit an, beides miteinander zu verbinden.
Ein weiterer Aspekt kam in der späteren Diskussion mit Elisabeth Kramer zutage: Vielleicht sind viele Frauen nicht so sehr daran interessiert, sich für die ganze Vielfalt in einem politischen Gremium einzusetzen als vielmehr für spezielle Themen, die sie aus ihrer Lebenserfahrung her für wichtig halten. Nicht zuletzt haben viele Frauen ihr politisches Engagement damit begonnen, sich für Probleme der Kinderbetreuung, zum Beispiel in Elternbeiräten, einzusetzen. Und tatsächlich bringen sich viele Frauen in Bürgerinitiativen ein, bei denen es um punktuelle Themen und Probleme geht und nicht um das gesamte Spektrum politischer Aufgaben.
Elisabeth Kramer selbst ist ein Beispiel für diese Art politischer Karriere. Sie hat als Mutter im Kindergarten begonnen, sich für Politik zu interessieren und engagiert sich bis heute gern und häufig bei Bürgerinitiativen, wenn es um ganz spezielle Anliegen geht.
 
 

(Erstellt am 24. März 2026)

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