Realschüler auf „Mission Zukunft“

Es gab alkoholfreien Sekt, Häppchen und Popcorn, sogar der rote Teppich war ausgerollt am Kino „Modernes Theater“ in Weinheim. Die jungen Männer trugen Anzüge, die Frauen Abendkleid und hohe Schuhe. Als es im Kinosaal dunkel wurde, glitzerte ein Trailer über die Leinwand, der erste Redner trat im Spotlight hinter das funkelnde Rednerpult. Es war wie bei einer wirklich großen Filmpremiere.Und so war es ja auch.

Einmal mehr hat jetzt die Weinheimer Friedrich-Realschule mit ihrem ebenso kreativen wie engagierten Rektor Daniel Besier, einem engagieren Kollegium und in Kooperation mit dem Übergangsmanagement Schule-Beruf der Stadt Weinheim mit einem innovativen Filmprojekt für Aufsehen gesorgt. Dass die ausgezeichnete MINT-Schule mit Berufswahlsiegel zum Schuljahresende ihr Projekt „Arbeitswelt im Wandel“ (AIW) spektakulär abschließt, das hat schon Tradition. Nach Jahren einer sehr realistischen TV-Show dachte das Projektteam das große Planspiel der 9. Klassen an der Friedrich-Realschule nochmal neu.
Denn die Abschlussarbeit des Projektes „AIW“ für dieses Jahr wurde ein richtiger Spielfilm: Spannend, filmisch fast schon auf professionellem Niveau, mit teilweise spektakulären Effekten gespickt, in Eigenproduktion, produziert mit Kamera-Profis und Player aus der lokalen Wirtschaft – die Handlung mit einer aktuellen politischen Botschaft versehen. Der Streifen hat alles, was ein guter Film braucht. Wenn es einen Oscar für den besten Schülerfilm gebe, die Friedrich-Schule wäre ein heißer Kandidat. Und die großzügige Unterstützung der Kinobetreiber, Familie Speiser gaben der Premiere einen glanzvollen Rahmen.
 
Erinnerungen an die Feuerzangenbowle
 
Dazu kam Lokalkolorit und sogar ein Augenzwinkern, denn in der Handlung geht es um einen ehemaligen Schüler, der zu einem erfolgreichen Wissenschaftler geworden ist – feine Anspielungen auf den Schwarzweiß-Klassiker „Die Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann ließen vor allem ältere Zuschauer schmunzeln.
Zur Handlung: Im Mittelpunkt stehen vier Jugendliche der Friedrich-Realschule, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Während eines scheinbar gewöhnlichen Schultages erhalten sie geheimnisvolle Nachrichten auf ihren Smartphones. Diese führen sie auf den längst vergessenen Dachboden ihrer Schule, wo sie auf eine rätselhafte Maschine stoßen. Über sie meldet sich Professor Ullrich Pfeiffer – allerdings nicht aus der Gegenwart, sondern aus einer möglichen Zukunft. Seine Botschaft ist alarmierend: Wenn die Menschheit ihren aktuellen Kurs nicht verändert, drohen Umweltzerstörung, Ressourcenknappheit und gesellschaftliche Konflikte. Nur die Jugendlichen können diese Zukunft noch beeinflussen.
Jener Protagonist Prof. Dr. rer. nat. Ullrich Pfeiffer, der einen Lehrstuhl an der Universität Wuppertal innehat, war wirklich Schüler der Friedrich-Realschule. Erwar zur Premiere „seines“ Films auch als Ehrengast im Kino „Modernes Theater“ anwesend.
Und so geht es weiter: Schritt für Schritt müssen die Jugendlichen vier Aufgaben lösen, die jeweils für einen entscheidenden Zukunftsbaustein stehen. Die erste Mission führt das Team zur Freudenberg-Gruppe. Dort erfahren die Jugendlichen, welche Rolle Wasserstoff als Energieträger der Zukunft spielen kann und wie unscheinbare Hightech-Materialien entscheidend zur Energiewende beitragen. In ihrer zweiten Mission besuchen sie dann den Abwasserverband Bergstraße. Dort entdecken sie den faszinierenden Weg des Wassers durch den natürlichen Kreislauf. Anschließend führt sie ihre Reise zu HD Vision Systems. Die Jugendlichen erkennen, dass Künstliche Intelligenz und Robotik nicht nur technische Innovationen sind, sondern auch helfen können, Ressourcen zu sparen und unnötigen Abfall zu vermeiden. Die letzte Mission bringt das Team zu Bee Friendly. Dort wird deutlich, welche zentrale Rolle Wildbienen und biologische Vielfalt für das Leben auf unserem Planeten spielen. Alle Missionen hatten also regionale Unternehmen zum Ziel: Problemlöser einer immer schwieriger werdenden Zukunft.
 
„Zukunft entsteht durch Entscheidungen“
 
Das Projekt, so hatte Daniel Besier bei seiner Begrüßung betont, zeige eindrucksvoll, wie Schule, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur gemeinsam neue Lernräume schaffen können. Er beschrieb: „Die Schülerinnen und Schüler übernahmen Verantwortung in fiktiven Produktionsfirmen, entwickelten Drehbuch und Marketingkonzept, organisierten die gesamte Premierenveranstaltung und arbeiteten mit renommierten Partnern aus der Region zusammen.“ Über 60 Schülerinnen und Schülern der 9. Klassenstufe arbeiteten mit großem Engagement am Projekt, gemeinsam mit Unternehmen, Wissenschaftlern und Filmschaffenden. Entwickelt und gesteuert wurde das Schuljahresprojekt vom Projektteam der Schule rund um Rektor Besier.
Die Botschaft von „AiW – Mission Zukunft“: Die Technologien für eine bessere Zukunft entstehen nicht irgendwo auf der Welt, Sie werden bereits heute in unserer Region entwickelt. Als Azubis, Studierende und Fachkräfte können junge Menschen selbst Teil davon sein. Bürgermeister Andreas Buske fasste die zentrale Botschaft so zusammen: „Die Zukunft ist nicht vorherbestimmt – sie entsteht durch die Entscheidungen, die wir heute treffen.“  
 

(Erstellt am 08. Juli 2026)

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