Damit Armut keine Schule macht

Wer ein geschultes Auge für Kinder und Jugendliche hat, bemerkt es schneller, wenn ein Kind von Armut betroffen ist. Es sind manchmal Kleinigkeiten, die man erst auf den zweiten Blick erkennt: Die zerschlissene Kleidung, die Übermüdung nach einer schwierigen Nacht ohne Ruhe in der viel zu kleinen Wohnung, unreine Haut als Zeichen einer schlechten Ernährung. Die Scham, wenn es um kostspielige Aktivitäten außerhalb des Unterrichts geht – um Ausflüge oder gar Landschulheimaufenthalte. Wer arm ist, hat es schwerer im Leben und in der Schule.
 

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Der soziale Status, Eltern, die Zeit und Geld haben, um sich zu kümmern, aber vor allem politische Entscheidungen, Verwaltungshandeln, Schulstruktukturen – das wirkt sich direkt auf die Bildungschancen eines Kindes aus. Immer noch, obwohl es seit Jahren Bemühungen, Konzepte und Projekte gibt.
Für Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter insbesondere ist das Thema allgegenwärtig. Es wird nicht leichter angesichts wachsender sozialer Unterschiede in der Gesellschaft. „Armutssensibles Handeln“ heißt es, wenn pädagogische Fachkräfte so weit geschult sind, dass sie die Symptome früh erkennen und einschätzen können.
„Armutssensibles Handeln“ – so lautete daher auch der Titel eines Fortbildungsseminars für die Weinheimer Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter nach einem Konzept der Systemischen Prozessbegleiterin und Organisationsberaterin Andrea Möllmann-Bardak. Das Seminar in Weinheim wurde gehalten von der Arbeits- und Organisationspsychologin Alexandra Cornelius, die auch Systemikerin und Prozessbegleiterin ist.
Gefördert wurde dieser Workshop vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration. Der besondere Schwerpunkt dabei lautete: „Familien- und Kinderarmut im Kontext Kinderschutz“.
Dabei nahmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer viel Hintergrundwissen auf, erfuhren sehr viel über Ursachen und mögliche Folgen, aber auch darüber, welche Maßnahmen vor allem auch für den präventiven Kinderschutz wichtig sind – und was die Schulsozialarbeit beitragen kann. Die Fortbildung bot viel Gelegenheit für den kollegialen Austausch in Kleingruppen, in denen es um Haltungsreflektion und auch die Entwicklung eigener kleiner Handlungsmöglichkeiten ging.
Für Baden-Württemberg zeigen aktuelle Daten, dass rund 18 Prozent der unter 18-Jährigen als armutsgefährdet gelten. Klar ist damit auch, dass Kinder und Jugendliche damit stärker von Armut betroffen sind als die Gesamtbevölkerung. Besonders hoch ist das Risiko für Kinder von Alleinerziehenden, in kinderreichen Familien, in Familien mit längerer Erwerbslosigkeit oder prekär bezahlten Beschäftigungen.
Schulen werden dadurch zunehmend zu Orten, die Gesundheit, Bildung, soziale Teilhabe und individuelle Förderung miteinander verbinden. Deshalb gewinne Schulsozialarbeit, Ganztagsangebote, kostenlose Lern- und Freizeitangebote sowie eine armutssensible Pädagogik an Bedeutung. Das Ziel sei hoch gesteckt, aber für die Gesellschaft ganz entscheidend: Eine Benachteiligungen frühzeitig zu erkennen und verhindern, dass die soziale Herkunft über den Bildungserfolg entscheidet.  
 
 

(Erstellt am 04. August 2026)

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