Der Beruf ist für sie „central“

Sie sind in den Arbeitsmarkt integriert, haben eine Ausbildung angepackt, finanzieren ihr Leben selbst und arbeiten oft in Berufen, für die man hierzulande nicht selten händeringend Fachkräfte sucht – sie sind unter anderem Stützen des Gesundheits- und Pflegesystems, das selbst pflegebedürftig ist. Alle sind sich einig, dass diese Zuwanderung benötigt wird. Und sie haben noch etwas gemeinsam: Alle wurden mit der Hilfe und Unterstützung der Regionalen Jugendagentur Job Central e.V. in Ausbildung, Arbeit, Lohn und Brot gebracht.

Da ist Collins (37) mit ihrem ansteckenden Lachen. Die Bewohner des Seniorenzentrums in Hirschberg-Großsachsen mögen die Frau aus Kamerun, weil sie gute Laune verbreitet – wenn es ihnen mal nicht so gut geht. Oder Mahamud (27) aus Somalia, der als angehender Operationstechnischer Assistent am GRN-Klinikum so ruhig und konzentriert vorgeht, dass der Arzt im OP-Saal fokussiert arbeiten kann. Mahamud musste als Kind in seiner Heimat im Krankenhaus operiert werden und fasste damals schon den Beschluss, später einmal in diesem Beruf zu arbeiten. Oder Leon, der als IT-Techniker sein Hobby zum Beruf machen konnte. Oder Samuelle aus Syrien, die als Flüchtlingskind kam und mittlerweile Informatik studiert. Für sie alle ist das berufliche Vorankommen eine „centrale“ Angelegenheit.
Das sind Beispiele von Menschen, die aus dem Leid ihres Heimatlandes geflohen sind, um ihr eigenes Leben fürchten mussten, und seit einiger Zeit in Deutschland ihrer Arbeit nachgehen. Oder solcher, die nach der Schule erstmal ohne Orientierung waren. Sie sind in wichtigen Jobs gelandet, in denen es um Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen geht. Menschen wie Collins, Mahamud, Samuelle und Leon wissen, was das heißt.
Sie sind in den Arbeitsmarkt integriert, haben eine Ausbildung angepackt, finanzieren ihr Leben selbst und arbeiten oft in Berufen, für die man hierzulande nicht selten händeringend Fachkräfte sucht – sie sind unter anderem Stützen des Gesundheits- und Pflegesystems, das selbst pflegebedürftig ist. Alle sind sich einig, dass diese Zuwanderung benötigt wird. Und sie haben noch etwas gemeinsam: Alle wurden mit der Hilfe und Unterstützung der Regionalen Jugendagentur Job Central e.V. in Ausbildung, Arbeit, Lohn und Brot gebracht. Seit über 25 Jahren arbeitet Job Central von Weinheim aus für junge Menschen in der Region. Institutionell unterstützt wird der Verein von der Stadt Weinheim, den Mitgliedsgemeinden und der Freudenberg Stiftung. Darauf aufbauend wirbt der Verein zahlreiche Projektmittel ein, um Angebote bedarfsgerecht weiterzuentwickeln.
Job Central seit den Anfangsjahren Jugendlichen zur Seite, die Probleme haben, nach der Schule einen Anschluss zu finden. Das tut die Jugendagentur auch nach wie vor an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen sowie in ihrer Beratungsstelle. Insbesondere seit der ersten großen Flüchtlingsbewegung in den Jahren 2015 und 2016 gehört auch die Integration geflüchteter Menschen in den Arbeitsmarkt zu einer wichtigen Aufgabe der Jugendberufscoaches. Und sie haben Erfolge vorzuweisen, mit denen sie den Menschen aber gleichzeitig auch der Wirtschaft in Deutschland helfen. Und damit auch den Städten und Gemeinden, dem ganzen Staat, denn Menschen ohne berufliche Perspektive sind in aller Regel ihr Leben lang auf staatliche Hilfe angewiesen.
Die Regionale Jugendagentur Job Central e.V. hat ihr Netzwerk entsprechend ausgeweitet, arbeitet nun auch beispielsweise mit dem Jugendmigrationsdienst vom Internationalen Bund, dem AK Asyl und mit Integrationsmanagern zusammen. Die Lern-Praxis-Werkstatt mit einem niedrigschwelligen Angebot in verschiedenen Werkstätten und Arbeitsbereichen gehört zur Agentur.
Collins, die Altenpflegerin
Viele der geflüchteten Menschen haben schwierige Biografien. Collins beispielsweise, die in Kamerun bereits als Pflegehelferin in einem Krankenhaus arbeitete, musste vor dem Terror der der Boko-Haram aus ihrem Heimatland fliehen. Sie war schwanger, ihr Kind kam auf dem Mittelmeer zur Welt, kurz bevor das Boot im sicheren Europa anlegte. Einen weiteren Sohn hatte sie zuerst zuhause bei der Familie gelassen. Mittlerweile lebt sie alleinerziehend mit den beiden Jungs in Weinheim; sie spielen Fußball und Basketball bei der TSG. Sie sind sehr selbstständig für ihr Alter, lernen eifrig in der Schule. Mit Unterstützung von Job Central fand ihre Mutter trotz aller Anfangsschwierigkeiten eine Ausbildung zur Altenpflegehelferin, die sie zwischenzeitlich erfolgreich abgeschlossen hat. Mittlerweile hat sie einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Sie mag ihren Job im Seniorenheim, man schätzt ihre herzliche, zugewandte und lebensfrohe Art.
Mahamud, der Helfer im OP-Saal
Mahamud war 14 Jahre alt und fast noch ein Kind, als er mutterseelenalleine vor dem tödlichen Bürgerkrieg in Somalia flüchtete – ebenfalls übers Mittelmeer. Er landete auch in Italien, kam in Bayern in eine Erstunterkunft, hatte dann das Glück, vom Pilgerhaus in Weinheim als unbegleiteter Jugendlicher aufgenommen und betreut zu werden. Er ging zur Schule, schaffte seinen Hauptschulabschluss, kam mit Job Central in Kontakt. Von dort gibt es einen kurzen Draht zum GRN-Klinikum. Es folgten Praktika, zwei Jahre Berufsfachschule, dann zunächst die Ausbildung zum Krankenpflegehelfer. Dann eröffnete sich der Ausbildungsplatz zum Operationstechnischen Assistenten (OPT). Zwar reicht ihm die Ausbildungsvergütung nicht ganz, um hier die Wohnung und das Leben für sich, seine ebenfalls aus Somalia stammende Frau und seine kleine Tochter zu finanzieren; dafür hat er noch einen Minijob angenommen, um für das Leben seiner Familie keine Unterstützung zu brauchen. Arbeit ist ihm nie zu viel.
Samuelle, die Informatik-Studentin
Samuelle, die mit ihren 22 Jahren akzentfrei deutsch spricht, lebte die ersten Monate nach ihrer Ankunft aus Syrien 2018 in einem Container im Gorxheimertal auf wenigen Quadratmetern. Ihr Vater war schon geflüchtet aus dem Land des Assad-Terrors und holte die Frau und die Kinder nach. Die Eltern kümmerten sich, suchten gute Schulen für die beiden Mädchen – und fanden Plätze auf der Johann-Philipp-Reis-Schule im Weinheimer Berufsschulzentrum.
Dort sind auch Jugendberufscoaches von Job Central vor Ort, kümmern sich früh um die Berufsorientierung der jungen Menschen, befragen sie zu ihren Vorlieben, helfen bei Bewerbungen und im Dschungel der Hochschulen. Auf Samuelle trafen sie in einer so genannten „VABO“-Klasse, das steht für „Vorqualifizierung Arbeit/Beruf ohne Deutschkennnisse“. Vor allem das „O“ kann man heute kaum glauben angesichts des guten Deutschs, das die junge Frau mittlerweile spricht. Schon seit über einem Jahr ist sie auch deutsche Staatsbürgerin. Englisch und Französisch kann sie übrigens auch. Nach dem Fachabitur hat sie ihr Informatik-Studium an der TU Heidelberg begonnen, Computer haben sie schon immer interessiert. Ihre Schwester studiert Architektur, der Vater hat längst einen festen Job als Elektriker.
Leon, der IT-Elektroniker
Wie Leon aus Hemsbach, ganz ohne Migrationshintergrund, aber nach dem Werkrealabschluss an der Hemsbacher Friedrich-Schiller-Gemeinschaftschule ein wenig unschlüssig, wohin die berufliche Reise gehen könnte. Er dachte an eine Kochlehre? Vielleicht doch KFZ-Mechatroniker? Oder doch nochmal auf die Schule, Fachabitur nachholen? Dann aber kam die Corona-Pandemie und warf ihn aus der Bahn. Die Regionale Jugendagentur Job Central e.V. war in diesen Jahren immer wieder ein sicherer Hafen.
Job Central-Mitarbeiter Johannes Fauser begleitet den heute 22-jährigen Leon seit seiner Schulzeit. Die Friedrich-Schiller-Gemeinschaftsschule gehört zu den Orten, an denen die Jugendagentur sogar ein eigenes Büro hat. Er war es auch, der den jungen Mann daran erinnerte, wo seine Vorlieben sind. Leon interessierte sich schon immer für Computer, wollte wissen, wie sie funktionieren, wie es im Inneren des Kastens wohl aussieht, da war er vier Jahre alt, schmunzelt er heute. Er konnte schon programmieren, als andere sich noch bei Blümchenspielen verweilten. So bewarb er sich nach einem Praktikum für die Ausbildung zum IT-Systemelektroniker, und arbeitet bei einer Firma, die Software für Arztpraxen programmiert und betreut. Um seine berufliche Zukunft muss er sich keine Sorgen machen. Collins, Mohamad und Samuelle auch nicht.
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Auf der neu gestalteten Webseite kann man sich über die vielfältige Arbeit von Job Central informieren und mit einer Spende unterstützen (www.jobcentral.de).
