Reise zu einem traumatisierten Volk

Der Besuch von Weinheimern nach Ramat Gan hat die Partnerstädte einander näher gebracht - Eindrücklicher Bericht
Sie waren selbst noch sichtlich berührt und ergriffen von den Bildern und Erinnerungen dieser Reise nach Ramat Gan, in die israelische Partnerstadt Weinheims. Der Aufenthalt, viele Begegnungen und Eindrücke, sie werden haften bleiben bei den Weinheimerinnen und Weinheimern Rolf Hackenbroch und Ruth Segoviano, Stadtrat Oliver Kümmerle und VHS-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Ott sowie Sybille Hoffmann vom Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg (ZSL).Im Saal der Stadtbibliothek hatte die kleine Reisegruppe jetzt ihre Erlebnisse in einer Präsentation zusammengefasst. Dabei kamen einige Themen zur Sprache, die unmittelbar auch die offizielle Städtepartnerschaft betreffen, wie auch Albrecht Lohrbächer betonte, der Vorsitzende des Freundeskreises Weinheim-Ramat Gan, Begründer und Motor der Verbindung. Obwohl der frühere Dekan und Israel-Kenner dieses Mal nicht selbst dabei war, spielte er beim Besuch eine große Rolle. „Man spürt überall“, berichtete Thomas Ott, „dass Albrecht Lohrbächer das schlagende Herz zwischen den beiden Städten ist“.Die historische Einordnung der Reise war sehr präsent, berichteten sie. Der Terror-Anschlag der Hamas am 7. Oktober und seine Folgen auf das Land und seine Menschen haben Israel verändert. „Wir haben ein traumatisiertes Volk getroffen“, so die bleibende Wahrnehmung.Die Delegation besuchte die schlimmsten Orte des 7. Oktober, auch einen Kibbuz unweit des Gaza-Streifens, der Ziel eines grausamen Massakers, war sowie das überfallene Nova-Festival-Gelände, das mittlerweile eine Gedenkstätte geworden ist.Unter anderem berichteten die Weinheimer von einem herzlichen und sehr persönlichen Empfang bei Oberbürgermeister Carmel Shama und seiner Dankbarkeit für rund 50 000 Euro Spenden, die vom Freundeskreis nach Ramat Gan übermittelt worden sind, um Menschen zu helfen, die durch den Krieg in Not geraten sind. Ramat Gan, Vorort von Tel Aviv, war stark von Bombeneinschlägen betroffen, viele Menschen wurden obdachlos. Bomben so groß wie Omnibusse seien vom Himmel gefallen, wurde den Weinheimer Gästen berichtet.Die Stadt Ramat Gan hat Partnerschaften auf der ganzen Welt. „Die engste Freundschaft verbindet uns aber mit Weinheim“, schilderte Shama und bot den darüber sichtlich gerührten Besuchern an: „Wir wünschen es euch natürlich nicht, aber falls Weinheim einmal in eine ähnliche Situation geraten sollte, wird Ramat Gan hilfreich an eurer Seite stehen.“ Die Delegation besuchte auch den Vize-Bürgermeister Roi Barzilai, der schon öfter in Weinheim war, und beide Seiten versicherten sich auch hier eine weitere verfestigte Beziehung. Eng begleitet wurde die Gruppe von Stadträtin Keren Bar, die selbst als Jugendliche als Teil der Schülerbegegnung in Weinheim war – wie schon ihre Mutter und mittlerweile auch ihre Tochter.Die Reise, so auch Albrecht Lohrbächer, gebe wichtige Impulse für das weitere Gelingen der Städtepartnerschaft. Stadtrat und TSG-Basketball-Abteilungsleiter Oliver Kümmerle knüpfte Verbindungen mit dem Sportverein Maccabi Ironi und sprach auch von einer möglichen Konzertreise des Peterskirchen-Chors Vivida Banda. Stadtjugendring-Geschäftsführer Martin Wetzel hörte den Bericht aus Ramat Gan ebenso aufmerksam wie Lehrkräfte aus Weinheimer Schulen, die in der Vergangenheit die Schülerbegegnungen begleitet haben. Hier wird im Moment ausgelotet, wie Begegnungen trotz der schwierigen Rahmenbedingungen möglich gemacht werden können. Und im Frühjahr wird eine Abordnung aus Ramat Gan die Partnerstadt Weinheim besuchen, wenn im Baugebiet „Westlich Hauptbahnhof“ die erste Ramat Gan-Straße eingeweiht wird.
